Desmond Llewelyn war ein walisischer Schauspieler, der durch seine Verkörperung von «Q» in den James-Bond-Filmen zu einer Ikone des britischen Kinos wurde. Über drei Jahrzehnte prägte er das Bild des freundlichen, aber streng-bissigen Quartiermeisters, der 007 mit lebensrettenden Gadgets ausstattet.
Desmond Wilkinson Llewelyn wurde am 12. September 1914 in Newport in Südwales als Sohn eines Ingenieurs im Kohlebergbau geboren. Entgegen dem Wunsch seines Vaters entschied er sich für die Bühne und wurde 1934 an der Royal Academy of Dramatic Art in London aufgenommen.
Nach ersten Theater- und kleinen Filmrollen wurde seine Karriere durch den Zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen. Llewelyn diente als Leutnant im Royal Welch Fusiliers Regiment, wurde 1940 bei den Kämpfen nahe Lille gefangen genommen und verbrachte den Rest des Krieges in verschiedenen Kriegsgefangenenlagern, darunter Laufen und schliesslich Colditz, wohin er nach einem Fluchtversuch verlegt wurde.
Nach der Befreiung kehrte Llewelyn zur Schauspielerei zurück und spielte zunächst wieder Theater, unter anderem an der Seite von Laurence Olivier und Vivien Leigh. Es folgten Charakterrollen in Film und Fernsehen, etwa in «Hamlet» (1948), «The Lavender Hill Mob», «A Night to Remember» und verschiedenen britischen TV-Serien.
In den 1950er-Jahren nutzte er seine Kriegs- und Wales-Erfahrung in der Rolle des walisischen Panzerkommandanten «77 Jones» im Kriegsfilm «They Were Not Divided», inszeniert von Terence Young, der später auch Bond-Regisseur wurde. Diese Zusammenarbeit sollte sich als Weichenstellung für seine Bond-Zukunft erweisen.
International berühmt wurde Llewelyn als Q, der Leiter der fiktiven Forschungsabteilung «Q Branch» des britischen Geheimdienstes, der Bond mit Hightech-Waffen und raffinierten Spezialfahrzeugen ausstattet. Er übernahm die Rolle erstmals 1963 in «From Russia with Love» und spielte Q in 17 Bond-Filmen bis «The World Is Not Enough» (1999), wobei nur «Dr. No» und «Live and Let Die» ohne ihn auskamen.
Mit seinem trockenen Humor, dem genervten «Pay attention, 007!» und der väterlichen Strenge gegenüber Bonds sorgloser Gadget-Nutzung schuf Llewelyn einen klaren Gegenpol zum glamourösen Agenten und wurde zur emotionalen Konstante der Filmreihe. Er arbeitete nacheinander mit allen fünf ersten Bond-Darstellern – Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton und Pierce Brosnan – und erschien damit in mehr Bond-Filmen als jeder andere Schauspieler.
Seine Popularität als Q ging über die Filme hinaus: Llewelyn trat in Bond-bezogenen Werbespots und in Promotions zu den Videospielen «GoldenEye 007» und «Tomorrow Never Dies» auf und wurde von Fans weltweit als personifizierter Geist der Bond-Gadgets gefeiert.
Llewelyns letzter Auftritt als Q in «The World Is Not Enough» enthält eine Abschiedsszene, in der die mögliche Nachfolge durch John Cleeses Figur angedeutet wird, doch der damals 85-Jährige betonte öffentlich, er wolle Q so lange spielen, «wie die Produzenten mich wollen und der Allmächtige nicht». Nur wenige Wochen nach dem Kinostart kam er am 19. Dezember 1999 bei einem Autounfall nahe Berwick in East Sussex ums Leben.
Mit seiner Mischung aus stoischer Professionalität, verschmitztem Humor und britischer Exzentrik prägte Desmond Llewelyn entscheidend das Verhältnis zwischen Bond und seiner technischen Rückendeckung. Für viele Fans bleibt er bis heute der ultimative Q und ein unverzichtbarer Bestandteil des klassischen Bond-Mythos.