Plot
«Casino Royale» von 1954 erzählt in einer kompakten TV‑Fassung die Geschichte von James Bond, hier als amerikanischer Agent der «Combined Intelligence Agency», der in einem französischen Kurort auf den sowjetischen Topagenten Le Chiffre angesetzt wird. Gleich zu Beginn überlebt Bond ein Attentat vor dem Casino und trifft im Spielsaal auf seinen britischen Verbindungsmann Clarence Leiter, der ihn als «Card Sense Jimmy Bond» vorstellt und ihm den Auftrag erläutert: Am Baccara‑Tisch soll Bond Le Chiffre ruinieren, der heimlich Partei‑ und Sowjetgelder verzockt hat und nun verzweifelt versucht, seine Verluste zurückzugewinnen. Gelingt es Bond, ihn bankrott zu spielen, werden Le Chiffres eigene Auftraggeber ihn «aus dem Weg räumen», und der Westen hätte einen wichtigen Schachzug im Kalten Krieg gewonnen.
Im Casino begegnet Bond seiner früheren Geliebten Valerie Mathis, die nun mit Le Chiffre liiert ist und von Bond zunächst als mögliche kommunistische Spionin misstrauisch beäugt wird. Während sie ihre alte Beziehung wieder aufnehmen, werden ihre Gespräche heimlich abgehört, denn Le Chiffre hat Valeries Zimmer verwanzen lassen und erkennt schnell, dass Bond für ihn eine existenzielle Bedrohung darstellt. Am Spieltisch eskaliert der Nervenkrieg: Le Chiffre setzt die letzten Millionen seiner Organisation ein, Bond wird unter Druck gesetzt, weil Valeries Leben offen an den Ausgang der Partie geknüpft wird. Zunächst verliert Bond sein Einsatzgeld, erhält dann aber unerwartet weitere Mittel von einem anonymen Unterstützer und schafft es, Le Chiffre vollständig zu schlagen – der Schurke ist finanziell zerstört und dem Zorn seiner Hintermänner ausgeliefert.
Die Rache folgt unmittelbar: Valerie wird entführt, Bond von Le Chiffres Handlangern überwältigt und in ein Versteck verschleppt, wo er – in einer dem Roman nachempfundenen, für das TV jedoch entschärften Folterszene – an den Füssen malträtiert wird, um ihm die erspielte Summe und die Identität des Geldgebers zu entreissen. Trotz der Tortur verweigert Bond jede Auskunft, nutzt Unachtsamkeiten der Bewacher und kann sich schliesslich befreien, Valerie retten und Le Chiffre ausschalten, bevor dessen eigene Leute oder der Geheimdienst ihn erreichen. Die Episode endet vergleichsweise abrupt: Der Auftrag ist erfüllt, Le Chiffre ist tot, und Bond verlässt mit Valerie das Schlachtfeld – als erster verkörperter Bond der Film‑ und Fernsehgeschichte bleibt er eine Kuriosität, aber auch der Ur‑Punkt aller späteren «Casino Royale»-Adaptionen.
Produktion
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«Casino Royale» (1954) war die allererste Bildschirm‑Adaption eines James‑Bond‑Romans und wurde als Episode der CBS‑Anthologieserie «Climax!» am 21. Oktober 1954 live aus den Studios in Hollywood ausgestrahlt.
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James Bond wurde hier ausdrücklich zum US‑Agenten der «Combined Intelligence Agency» umgeschrieben, während der Brite Clarence Leiter seine Kontaktfigur ist – eine Umkehr der im Roman angelegten anglo‑amerikanischen Rollenverteilung für das US‑Fernsehpublikum.
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Die rund einstündige Sendung lief als Live‑Produktion; erhaltene Kopien stammen von der damaligen Kinescope‑Aufzeichnung (Abfilmung des TV‑Signals auf Film), was die heute sichtbare, eher körnige Bildqualität erklärt.
Fun Facts
- Der erste Bond‑Darsteller war nicht Sean Connery, sondern Barry Nelson, der hier «Jimmy Bond» spielt und damit den Startpunkt aller späteren Leinwand‑Interpretationen markiert.
- Felix Leiter heisst in dieser Version Clarence Leiter, Vesper Lynd wurde zu Valerie Mathis; der Romancharakter René Mathis fehlt komplett – trotzdem bleibt der Kernplot mit dem Baccara‑Duell überraschend nah an Flemings Vorlage.
- Le Chiffre wird von Peter Lorre gespielt, der damit auch der erste audiovisuelle Bond‑Schurke überhaupt ist; seine markante Präsenz gilt vielen Fans heute als das eigentliche Highlight dieser frühen TV‑Rarität.
Ausrüstung
Im 1954er TV-Film «Casino Royale» gibt es keine Bond-typischen Spezialausrüstungen wie später bei Q; Bond benutzt keine technischen Gadgets, die über das Übliche hinausgehen.
Lediglich einer von Le Chiffres Helfern verfügt über eine in einem Spazierstock verborgene, schallgedämpfte Pistole, die als einziges auffälliges «Spezialgerät» hervorsticht.
Titelsong
Für die TV‑Version von «Casino Royale» (1954) gibt es keinen eigenständigen Titelsong wie bei den späteren Kinofilmen. Stattdessen wird eine instrumentale, aus bereits existierender Musik zusammengestellte Titelmusik verwendet, die in die Live‑Anmoderation der Anthologie‑Reihe «Climax!» eingebettet ist.
Regie
Komponist
MacherInnen