Daniel Craig hat die Figur James Bond so grundlegend erneuert wie kein Darsteller seit Sean Connery – härter, verletzlicher und emotional deutlich komplexer. In fünf Filmen erzählte seine Ära erstmals eine durchgehende Charakterentwicklung vom rohen Neuling bis zum gebrochenen Veteranen, der am Ende sein Leben opfert.
Craig wurde am 2. März 1968 in Chester (England) geboren und wuchs überwiegend in Wirral auf; früh interessierte er sich für Theater, spielte bereits als Teenager im National Youth Theatre in London und absolvierte später eine Ausbildung an der Guildhall School of Music and Drama. Nach diversen Bühnen‑ und TV‑Rollen erhielt er in den 1990er‑ und frühen 2000er‑Jahren Aufmerksamkeit durch Filme wie «Our Friends in the North», «Road to Perdition», «Munich» und «Layer Cake», Letzterer gilt als entscheidend für seine Bond‑Besetzung.
2005 wurde Craig nach einem langen Casting‑Prozess offiziell als Bond vorgestellt – eine damals kontroverse Entscheidung, da sein «blonder», physisch rauer Look vom etablierten 007‑Bild abwich. Mit «Casino Royale» (2006) startete EON einen Reboot: Bonds erste Mission als Doppelnull führt von Parkour‑Jagd und brutalem Nahkampf zu einer Liebesgeschichte mit Vesper Lynd, deren Verrat und Tod den emotionalen Kern seiner gesamten Ära bilden. Der Film wurde weltweit gefeiert und machte Craig schlagartig zum globalen Star.
In «Quantum of Solace» (2008) zeigte Craig einen von Rache und Trauer getriebenen Bond, der die geheime Organisation Quantum jagt und emotional kaum zur Ruhe kommt. «Skyfall» (2012) macht seine Vergangenheit zum Thema: ein gealterter, physisch angeschlagener Agent, dessen Loyalität zu M im Zentrum steht und der in «Skyfall» – dem schottischen Elternhaus – mit Herkunft und Sterblichkeit konfrontiert wird. «Spectre» (2015) verknüpft die bisherigen Gegner rückwirkend mit Blofeld und der Organisation SPECTRE und stellt Bond als emotional gebundenen, aber noch dienstfähigen Veteranen dar.
Mit «No Time to Die» (2021) schloss Craig seine Bond‑Saga in einer für das Franchise radikalen Weise ab: Bond ist körperlich gezeichnet, emotional an Madeleine Swann gebunden und Vater einer Tochter; infiziert mit einer Biowaffe, die seine Familie töten würde, entscheidet er sich auf Safins Insel für den eigenen Tod, um sie zu schützen. Damit ist Craig bislang der einzige EON‑Bond, dessen Figur klar und endgültig im Film stirbt – ein Bruch mit der zuvor zeitlosen, seriellen Ikone.
Craigs Interpretation setzte weniger auf Gimmicks und Einzeiler, sondern auf physische Glaubwürdigkeit, psychologische Wunden und Beziehungen, die tatsächliche Konsequenzen haben – von Vespers Verrat bis zu Madeleines und Mathildes Rettung. Kritiker sehen in ihm den Bond, der die Figur in das 21. Jahrhundert überführt hat: ein traumatisierter Profi im Spannungsfeld von Pflicht, Trauma und Nähe, dessen fünf Filme die Serie zugleich geerdet und emotionalisiert haben.