Max von Sydow, 1929 im schwedischen Lund geboren und 2020 in Frankreich verstorben, zählt zu den prägenden europäischen Charakterdarstellern des 20. Jahrhunderts. Nach einer Ausbildung am Königlichen Dramatischen Theater in Stockholm und frühen Filmauftritten fand er in den 1950er-Jahren in Ingmar Bergman seinen wichtigsten künstlerischen Partner; mit Filmen wie «Das siebente Siegel», «Die Jungfrauenquelle» oder «Schande» wurde er international als Gesicht des skandinavischen Autorenkinos bekannt. Seine hochgewachsene, kantige Erscheinung und das konzentrierte, oft introvertierte Spiel machten ihn zum Idealbesetzer für Figuren zwischen spiritueller Suche und moralischer Zerrissenheit, etwa in «Der Exorzist» oder «Pelle, der Eroberer», wofür er eine Oscar-Nominierung erhielt.
Im erweiterten James-Bond-Kosmos verkörperte Max von Sydow 1983 in «Sag niemals nie» Ernst Stavro Blofeld, den mythischen Kopf der Verbrecherorganisation SPECTRE. Anders als manche überzeichnete Blofeld-Interpretationen setzt von Sydow auf zurückhaltende Autorität: mit ruhiger Stimme, minimaler Gestik und fast höflicher Distanz lässt er die Bedrohung weniger aus physischer Gewalt als aus kalt kalkulierter Machtfülle entstehen. Diese Darstellung fügt sich nahtlos in sein Gesamtwerk ein, in dem er immer wieder charismatische, häufig ambivalente Autoritätsfiguren – vom Priester über den Tyrannen bis zum Imperator Ming in «Flash Gordon» – gestaltet und so auch der Bond-Schurkenfigur eine düstere Würde und unerwartete Ernsthaftigkeit verleiht.