Barry Nelson

Barry Nelson war der erste Schauspieler, der James Bond überhaupt auf dem Bildschirm verkörperte – als amerikanisierter «Jimmy Bond» in der TV‑Fassung von «Casino Royale» aus dem Jahr 1954, viele Jahre vor Sean Connerys Kino‑Debüt. Damit steht er am Anfang der filmischen Bond‑Geschichte, auch wenn seine Interpretation lange ein Randphänomen blieb.

Nelson wurde am 16. April 1917 in San Francisco als Robert Haakon Nielsen geboren und war Sohn norwegischer Einwanderer. Er begann bereits in der Schule mit der Schauspielerei, studierte an der University of California, Berkeley, und erhielt unmittelbar danach dank seiner Theaterarbeit einen Studiovertrag bei MGM, wo er Anfang der 1940er‑Jahre in Filmen wie «Shadow of the Thin Man» oder «Bataan» erste Aufmerksamkeit erlangte. Nach Kriegsdienst in der US‑Armee kehrte er zum Film zurück, arbeitete aber zunehmend auch am Broadway und im jungen Fernsehen, wo er sich als verlässlicher Hauptdarsteller in Dramen und Komödien etablierte.

Sein Bond‑Moment kam am 21. Oktober 1954: In der Live‑Anthologieserie «Climax!» sendete CBS eine einstündige Adaption von Ian Flemings «Casino Royale». Die Produzenten machten Bond für das US‑Publikum zum Amerikaner, «agent with Combined Intelligence», während der britische Part von «Clarence Leiter» übernommen wurde – eine Umkehrung der späteren Bond‑Leiter‑Konstellation. Nelsons Figur wird konsequent als «Jimmy Bond» angesprochen, trägt Anzug und Pistole, wirkt aber eher wie ein kühler TV‑Agent der 50er als der mondäne, ironische Lebemann der späteren Filme. Die Episode galt zeitweise als verschollen und wurde erst Jahrzehnte später wieder zugänglich, weshalb Nelsons Beitrag lange nur Spezialisten bekannt war.

Aus heutiger Sicht ist Barry Nelsons Bond weniger ikonisch, aber historisch hochinteressant: Er zeigt, wie flexibel die Figur damals noch gedacht wurde und wie früh Bond im US‑Fernsehen als serientauglicher Spionentyp ausprobiert wurde. Nelson spielt den Agenten zurückhaltend, professionell, fast nüchtern; der Glamour, die stilisierte Härte und der britische Snobismus der späteren Kinofilme fehlen – zugleich fehlen die legendären Gadgets und Catchphrases, die das Franchise erst ab 1962 ausformten.

Nach «Casino Royale» setzte Nelson seine Karriere vor allem auf der Bühne und im Fernsehen fort, brillierte u. a. in Broadway‑Stücken wie «The Moon Is Blue» und im Musical «The Act», für das er 1978 eine Tony‑Nominierung erhielt. Kinogänger kennen ihn heute besonders als Hotelmanager Stuart Ullman in Stanley Kubricks «The Shining» (1980), einer seiner markantesten Spätrollen. Barry Nelson starb am 7. April 2007, neun Tage vor seinem 90. Geburtstag, auf einer Reise in Bucks County, Pennsylvania; seine Frau Nansi nannte keine genaue Todesursache. In der Bond‑Geschichte bleibt er als «erster 007 auf dem Bildschirm» ein Pionier, dessen einmalige TV‑Interpretation den Startpunkt für alle späteren Bond‑Darsteller markiert.

Geboren
16. April 1917
Gestorben
7. April 2007
Filmografie
James Bond 007